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Das Kirchdorf Böhlen wird 1353 erstmalig genannt. Der historische Ortskern, bestehend aus Rittergut und Schloß (1979 abgerissen), Kirche und Bauerngehöften, erfuhr im 20. Jahrhundert durch mehrere Siedlungen und Neubaugebiete eine wesentliche Erweiterung.


1952 erhielt Böhlen ein Kulturhaus mit einem Saal von 1000 Plätzen und weiteren Veranstaltungsräumlichkeiten. 1964 erfolgte die Eingemeindung des Ortsteils Gaulis zu Böhlen. Zu Gaulis gehörten bis zur Devastierung 1964 die Orte Trachenau und Treppendorf. Mit der Entwicklung des Werkes wuchs auch der Ort. Zählte er um die Jahrhundertwende 658 Einwohner, so waren es 1925 bereits 1586 und 1956 7300. 1964 erhielt der Ort Böhlen das Stadtrecht. Die Einwohnerzahl lag 1990 bei 6600.
Keine Kommune des heutigen Landkreises Leipziger Land wurde in den vergangenen Jahrzehnten in Sachsen und weit darüber hinaus so oft genannt wie Böhlen. Das verdankt sie den Industrieanlagen, die für den mitteldeutschen Raum seit den 20er Jahren von großer Bedeutung sind und bestimmend für die Entwicklung von Böhlen wurden. Der Bau des Böhlener Werkes war in Dresden schon im Jahre 1912 unter dem Finanzminister von Seydewitz im Gespräch, da die Lage des Ortes inmitten der Braunkohlefelder des Bornaer Raumes ideal und für den Bau eines Großkraftwerkes geeignet schien.

1918 kaufte deshalb der sächsische Staat die Braunkohleflächen um das damals unbedeutende Dorf Böhlen und um Zechwitz (1953 überbaggert).

Am 1. November 1920 begann der Bau der Anschlussgleise. Am 1. April 1921 folgte der erste Spatenstich zum Abbau des Böhlener Kohlefeldes, der ab 1924 durch die Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) erfolgte. Eine Dollaranleihe von 15 bis 18 Milliarden Mitte der 20er Jahre erlaubte den weiteren Ausbau des Betriebes, der damals einer der größten deutschen Wärmekraftwerke war. Durch die faschistische Kriegswirtschaft wurde Böhlen nach Leuna der zweite großtechnische Treibstoffproduzent (ASW/Benzingewinnungsanlage der Brabag).
Schwere Luftangriffe der Alliierten seit Mai 1944 auf das Werk störten die Produktion empfindlich, die im März 1945 zum Erliegen kam. 1946 ging für mehrere Jahre das Werk in das Eigentum einer sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) über.

1969 erfolgte die Umstellung der Produktion vom Rohstoff Braunkohle auf Erdöl und bis 1975 der Ausbau des Olefinkomplexes, der heute unter der Leitung der Sächsischen Olefinwerke AG (SOW AG) steht. Das französische Unternehmen Air Liquide GmbH hat auf dem Gelände des Altwerkes ein Produktionszentrum für technische Gase gebaut.

Nähere Informationen: www.stadt-boehlen.de

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